Balkon & Garten

Unfreiwilliger Test der Nachbarschaft

Sommerzeit ist Garten- und Balkonzeit. Gerne wird dann gegrillt oder mal eine Party gemacht. Doch bei solchen Aktivitäten gehört es auch dazu, Rücksicht auf die Nachbarn zu nehmen.

Nachbarschaftszwist entzündet sich oft an Kleinigkeiten: Lärm- und Geruchsbelästigungen, die im Sommer durch die Nutzung von Garten und Balkon entstehen, haben schon oft für Ärger gesorgt und viele Gerichte beschäftigt.

Urteile rund um Balkon und Garten

Recht haben und Recht bekommen sind zwei Paar Schuhe. Es kann sehr vom Einzelfall und vom urteilenden Richter abhängen, welche Streitpartei am Ende Recht bekommt. Ein Überblick über Streitgegenstände:

  • Grillen: Grob zusammengefasst: Wer zu häufig seine Nachbarn mit Grillgerüchen belästigt, muss mit Ärger rechnen. Ansonsten urteilten die Gerichte allerdings höchst unterschiedlich mal zugunsten des Grillers, mal auch gegen ihn.
  • Gartenparty feiern: Definitiv falsch ist, dass jeder einmal im Jahr eine Party frei hat. Bei einer Gartenparty kann es zu einem Fall von Ruhestörung kommen. Oder umgekehrt: Es müssen auch bei der Party bestimmte Ruhezeiten eingehalten werden. Das ist allerdings nicht bundeseinheitlich geregelt. Meist gilt eine Mittagsruhe zwischen 13 und 15 Uhr und eine Nachtruhe ab 22 Uhr. Auch Sonn- und Feiertagsruhe kennen die Verordnungen. Im Extremfall kann die Polizei diese Ruhe auch auf der Gartenparty durchsetzen.
  • Kinderspiel: Kinderlärm ist in der Regel zu erdulden, das besagt sogar Paragraf 22, Absatz 1a des Gesetzes zum Schutz vor schädlichen Umwelteinwirkungen durch Luftverunreinigungen, Geräusche, Erschütterungen und ähnliche Vorgänge. Auch der Bundesgerichtshof sah das in einem Gerichtsurteil (Az. V ZR 62/91 vom 05.02.1993) so. Viele weitere richterliche Urteile sehen das ganz ähnlich und geben im Streitfall meistens den Kindern recht. Wie bei der Gartenparty sollten aber auch hier die üblichen Ruhezeiten nach Möglichkeit eingehalten werden.

Hüten Sie sich davor, anzunehmen, dass nur Sie selbst bei einem Ärgernis recht haben und behalten. So steigern Sie sich unnötig in eine Sache hinein - ein neutraler Blick auf den "Schaden" und seine Auswirkungen und ein Hineinversetzen in die anderen ist immer sinnvoll.

Praxistipp:

Es ist immer besser, wenn Sie sich mit Ihren Nachbarn gütig und ohne Einschaltung von Behörden, Anwälten und Gerichten einigen. Manchmal hilft schon ein offenes und freundliches Gespräch. Informieren Sie Ihre Nachbarn am besten vorab, wenn Sie selbst mal im Garten feiern wollen.

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